Kunstgewerbemuseum

Das Kunstgewerbemuseum ist eine gelungene Symbiose der Hülle eines Gebäudes mit seinem Inhalt. Das Museum ist nicht nur das älteste seiner Art, es ist auch ein architektonischer Augenschmaus. Das von Ödön Lechner entworfene und 1896 fertiggestellte dreigeschossige Gebäude schwelgt in orientalischen Stilelementen und

Bauformen. Lechner gelang es meisterhaft, fernöstliche Bauweisen mit ungarischer Volkskunst zu einem einzigartigen neuen Stil zu verschmelzen. Schon von außen fällt das Gebäude durch die Pyrogranit-Kacheln und die bunten, in Mustern ausgelegten Dachziegel auf. Betritt man den mit einem gigantischen Glasdach überwölbten Innenhof, wähnt man sich in einem orientalischen Traum. Die Kassenhalle mit ihren maurischen und indischen Elementen setzt dieses märchenhafte Ambiente nahtlos fort.

Das Kunstgewerbemuseum vermittelt einen anschaulichen Einblick über die ungarische Wohnkultur in den verschiedenen Epochen. So findet man im Erdgeschoss des Gebäudes komplett eingerichtete Zimmer vor, deren Ausstattungen die Zeitspanne des Biedermeiers bis zur Zeit der Jahrehundertwende um 1900 umfasst. Mit Möbeln, Teppichen, Kunsthandwerk und allem, was ein bewohnbares Zimmer ausmacht, zeigt die Ausstellung, wie die Ungarn zwischen 1850 und 1900 lebten. Das erste Obergeschoss geht dieser Zeit noch voraus und vermittelt Einblicke in die Epoche des Klassizismus bis zur Biedermeierzeit. Hier streift man durch Räume, die den Besucher lebhaft vor Augen führen, wie man um 1800 bis 1850 saß, wohnte und zuweilen auch arbeitete. Weiterhin befinden sich auf dieser Etage verschiedene Ausstellungen über die Entwicklung des ungarischen Kunsthandwerks. Das Museum ist vor allem deshalb zu empfehlen, weil es nicht nur Ausnahmekostbarkeiten zeigt, sondern ganz "normale" Einrichtungsgegenstände, die es dem Betrachter ermöglichen, sich ein Bild vom bürgerlichen Leben zu längst vergangenen Zeiten in dieser wunderschönen Stadt zu machen.