Judenviertel

Budapest wurde seit vielen Jahrhunderten von seiner jüdischen Gemeinde geprägt. In der Elisabethenstadt, dem ehemaligen und heutigen Zentrum jüdischen Lebens, findet man noch viele Hinweise auf die Vergangenheit der jüdischen Bevölkerung, wenngleich man genau hinschauen muss, da viele Bauwerke stark verfallen oder

vernachlässigt sind. In dem nach der ungarischen Königin und österreichischen Kaiserin Elisabeth benannten Stadtviertel wurde 1944 auch das jüdische Ghetto eingerichtet. Hier lebten etwa 65.000 Menschen auf engstem Raum, bis zur Befreiung der Stadt am 18. Januar 1945. Gerade im 19. Jahrhundert trugen die jüdischen Bewohner Budapests zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Stadt bei. Die Große Synagoge an der Dohány utca (Tabakgasse), die deshalb auch Tabaksynagoge genannt wird, ist eines der geschichtsträchtigsten Bauwerke Budapests. Das im byzantinisch-maurischen Stil Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Gotteshaus ist mit etwa 3000 Sitzplätzen das größte in Europa. Obwohl die Elisabethenstadt nicht gerade eine Vorzeigegegend der Donaumetropole darstellt, lohnt es sich, hier auf Entdeckungsreise zu gehen. So findet man in der Nähe der Großen Synagoge das wesentlich kleinere und im Jugendstil gehaltene Gebetshaus der orthodoxen Juden. Im Jüdischen Museum, das sich ebenfalls neben der Großen Synagoge befindet, können umfangreiche Sammlungen über die Kultur des mitteleuropäischen Judentums besichtigt werden. Das Museum wurde an der Stelle des Geburtshauses von Theodor Herzl, dem Begründer des Zionismus, errichtet.

In einem Garten auf der Rückseite der Großen Synagoge steht das 1992 errichtete Holocaustdenkmal. Dargestellt ist eine Trauerweide, auf deren Blättern, die aus kleinen Metalltafeln bestehen, die Namen der Faschismusopfer eingraviert wurden. Allmählich hat sich dieses Viertel wieder belebt und es wird auch kräftig gebaut und renoviert. Besonders rund um den Klauzál tér gibt es Geschäfte mit koscheren Lebensmitteln, die auch hervorragenden Wein verkaufen. Auch koschere Restaurants und die dortige Markthalle sind ein guter Tipp, das jüdische Budapest für sich zu entdecken.