Fischerbastei

Wenn überhaupt ein Bauwerk in Budapest als Besuchermagnet bezeichnet werden kann, so ist es die Fischerbastei, die sich hinter der Matthiaskirche am Rand des Burgbergs erhebt. Die romantisch verklärte Kreuzung aus einer mittelalterlichen Ritterburg und einer Aussichtsterrasse im neogotischen Stil ist eines der Wahrzeichen von Budapest und wird tagtäglich von unzähligen Besuchern besucht, bestaunt und fotografiert. Dabei diente dieser Prachtbau mit der herrlichen Aussicht auf die Donau keinem praktischen Zweck, von Verteidigungszwecken ganz zu schweigen. Im Mittelalter war es die Aufgabe der verschiedenen Zünfte, im Ernstfall bestimmte Abschnitte der Befestigungsanlagen zu verteidigen. Dieser Abschnitt musste von den Fischern gehalten werden, und so erhielt die um 1900 erbaute Anlage eben den Namen Fischerbastei. Errichtet wurde das Bauensemble im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten des Jahres 1896, der Millenniumsfeier, zu der anlässlich des 1000-jährigen Bestehens von Ungarn viele prächtige Bauwerke geschaffen wurden. Bei strahlend blauem Himmel, buntem Herbstlaub und der ebenfalls azurnen Donau weit unten, kommt man sich auf der Terrasse der Fischerbastei wie in einem mittelalterlichen Ritterroman vor, der in Technicolor verfilmt wurde.

In dem südlichen der beiden Basteihöfe wurde 1906 das Reiterstandbild König Stephans aufgestellt, der als erster christlicher Herrscher in die Geschichte Ungarns einging und als Heiliger verehrt wird. Sowohl das mit vier gewaltigen Löwen verzierte bronzene Standbild als auch die Fischerbastei selbst wurden nach Plänen des Budapester Baumeisters Frigyes Schulek errichtet und ergänzen sich daher in harmonischer Eintracht. Hat man sich an der Anlage, die von Antal Szerb in seinem "Budapestführer für Marsbewohner" als herrlicher Kitsch beschrieben wurde, sattgesehen, gelangt man über die prunkvolle Freitreppe den Burgberg hinab in die Wasserstadt und hat dabei genügend Zeit und Muße, den soeben genossenen Anblick gebührend zu verinnerlichen.