Burgviertel
Wer das ursprüngliche Buda, die einstige Hauptstadt Ungarns, bevor Buda und Pest miteinander verbunden wurden, kennen lernen möchte, sollte den hohen Burghügel (Várhegy) erklimmen und sich dort gründlich und in aller Ruhe umsehen. Ob man sich nun mit der Standseilbahn, dem Bus oder zu Fuß hinaufbegibt, der etwa 1,5 Kilometer
lange und fast 60 Meter hohe Burgberg beherbergt ein ganzes Stadtviertel, das oft auch mit "Burg" bezeichnet wird. Dieser Stadtteil wird von den unversehrt scheinenden mächtigen Burgmauern und Basteien eingefasst, die nach jedem Angriff und den damit einhergegangenen Zerstörungen stets sofort ausgebessert wurden. Auch die verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs sieht man diesem Viertel nicht mehr an - die meisten der alten und pittoresken Häuser wurden in ihrem ursprünglichen Stil wiederaufgebaut.
Ein Bummel durch das Burgviertel ist schon deshalb ein Vergnügen, weil es weitgehend für den Autoverkehr gesperrt ist. So kann man praktisch ungestört das Schönste genießen, was Budapest zu bieten hat. Malerische Gassen und Durchgänge führen an mittelalterlichen, barocken und klassizistischen Fassaden entlang. In den Toreingängen mancher Häuser entdeckt man Sitznischen in verschiedenen Formen, die es so nur in Ungarn gibt. Ihre Bedeutung ist bis heute ungeklärt, doch nimmt man an, dass hier die Diener warten mussten oder die vor den Häusern postierten Wachen diese Bequemlichkeit in Anspruch nehmen durften. Die überwiegend bunten Fassaden mit ihren pastellfarbigen Anstrichen, denen später Ockergelb als dominante Farbe folgte, sind ebenso historisch wie die geometrischen Muster und Ornamente an den Hauswänden. Fälschlicherweise wird das Ocker mit dem Habsburg-Gelb in Verbindung gebracht, was jedoch von den Budapestern vehement zurückgewiesen wird.
Ein Rundgang vom Wiener Tor aus, der über die Anjou-Bastei, den Dreifaltigkeitsplatz (Szentháromság ter), an einem jüdischen Bethaus vorbei zum Haus mit dem roten Igel und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten bis zur Matthiaskirche führt, lässt den Besucher in die einzigartige Atmosphäre dieses alten Viertels eintauchen. Wem es dann nach Kaffee und Kuchen gelüstet, mag sich in der Konditorei Ruszwurm stärken, die neben ihrer hervorragenden Backerzeugnisse auch wegen der alten Empire-Einrichtung berühmt und beliebt ist.
