Andrássy út

Wer sich ein wenig mit der ungarischen Geschichte beschäftigt hat, kennt die tragende Rolle, die der schillernde Graf Gyula Andrássy darin spielt. Der feurige Revolutionär, der 1850 zum Tode verurteilt wurde, zu seiner Hinrichtung nicht erschien, später begnadigt wurde und es in seiner politischen Laufbahn bis zum

ungarischen Ministerpräsidenten gebracht hat, ist vielen aus den Sissi-Filmen ein Begriff. Er gilt als glühender Bewunderer der österreichischen Kaiserin und Königin von Ungarn, was auch immer man darunter verstehen mag. Der 2,3 Kilometer lange Boulevard, der den Namen dieses berühmten Ungarn trägt, ist nicht minder prächtig und hat auch eine abenteuerliche Vergangenheit vorzuweisen, zumindest was seine diversen Umbenennungen betrifft. So hieß die Prachtstraße, die schnurgerade von der Sankt-Stephans-Kirche bis zum Heldenplatz verläuft, zuerst schlicht Sugár út (Radialstraße), wurde dann in Andrássy út umbenannt, um nach dem Zweiten Weltkrieg den bedeutungsschwangeren Namen "Stalin út" (Stalinstraße) zu tragen. Nach dessen Tod wurde daraus die Straße der Jugend, was sich jedoch nicht bewährte, da die ungarische Jugend 1956 nicht den Vorstellungen der kommunistischen Machthabern entsprach. Der neue Name "Straße der Volksrepublik" hielt bis zur Wende durch und wurde dann nach lebhaften Diskussionen ad acta gelegt. Letztendlich heißt der Boulevard wieder Andrássy út, was sowohl für den Namensgeber als auch für die sich ständig wiederholende Geschichte spricht.

Die großzügig angelegte Straße wird auf beiden Seiten von Stadtpalästen, vornehmen Villen und Monumentalbauten wie der Staatsoper gesäumt. Als Prestigestraße zum Vorzeigen angelegt, achtete man bereits Ende des 19. Jahrhunderts auf eine dichte Baumbepflanzung und eine Bebauung, die Vorgärten und offene Höfe vorsah, was dem Boulevard die Eleganz einer Allee verlieh. Sehenswert sind unter anderem das in einem Palais untergebrachte Postmuseum, in dem auch das Telefon Kaiser Franz Josephs bestaunt werden kann, das Palais Drechsler, die Staatsoper und das Liszt-Museum. Kaffeehäuser, kleine Theater in den Seitenstraßen und vornehme Restaurants sowie elegante Modegeschäfte machen einen Bummel über Budapests prunkvollsten Boulevard zu einem besonderen Erlebnis